Zwei Altpfadfinder reisten durch Namibia …

Zwei Altpfadfinder reisten durch Namibia …
... und besuchten die APG Swakopmund
Pfadfinder gehen ja bekanntlich gern mal auf große Fahrt. So auch mein Mann Reinhard (Barry) und ich (beide APG Cosmas und Damian aus Essen). In diesem Jahr führte uns unsere Reise nach Namibia. Auf rund 4.300 km rund um Namibia lernten wir das südwestafrikanische Land kennen und schätzen. Wir sammelten viele tolle Eindrücke, betrachteten große Steppen und Wüsten, beobachteten wilde Tiere in freier Wildbahn und trafen auf Menschen mit unterschiedlichsten ethnischen und kulturellen Hintergründen.
Atemberaubende Landschaften
Namibia verfügt in großen Teilen über Steppe und Wüste. Eine relativ kurze Regenzeit im Jahr führt dazu, dass die Flüsse nur wenige Monate im Jahr Wasser haben. In der übrigen Zeit des Jahres muss das Grundwasser an die Oberfläche gepumpt oder Wasser aus Südafrika importiert werden. Das macht zum einen den Ackerbau äußerst schwierig – ja nahezu unmöglich. Zum anderen führt es dazu, dass viele Flussbette die meiste Zeit des Jahres ausgetrocknet sind und man auf der Reise durchs Land unendliche Weiten mit trockenem Gras oder einfach nur Steine und Sand sieht.
Da ist zum Beispiel der Fish River Canyon: Im Süden Namibias befindet sich der – nach dem Grand Canyon in den USA - zweitgrößte Canyon der Welt. Der Fish River (der längste Fluss Namibias) hat eine eindrucksvolle Schlucht ins Gestein gegraben. Der Canyon ist an der breitesten Stelle 27 km breit und an der tiefsten Stelle 550 m tief. Der schönste Abschnitt befindet sich auf einer Strecke von 60 km zwischen Seeheim und Ai-Ais.
Nicht minder beeindruckend sind die Dünen bei Sossusvlei. Das Sossusvlei ist eine große Lehmbodensenke, die von bis zu 300 m hohen Dünen eingerahmt wird. Besonders kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang schimmern die Dünen in strahlenden Rottönen.
Wilde Tiere
Am besten kann man wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum im Etosha – Nationalpark beobachten. Dort sorgen die Menschen lediglich für ein paar künstliche Wasserstellen. Alles andere wird der Natur überlassen. Der Etosha – Park ist ca. 23.000 qkm groß und beherbergt u. a. die sogenannten „Big Five“: Elefanten, Löwen, Büffel, Leoparden und Nashörner. Wir haben sie alle gesehen. Außerdem gibt es dort unendlich viele Antilopen (Springbock, Eland, Kudu, Oryx, Zebra …), Giraffen, Gnus, Hyänen, Schakale und Geparden. Nicht zu vergessen Strauße, Trappvögel sowie weitere 600 Vogelarten.
Elefanten haben nur 5 m vor unserem Bus die Straße überquert. Wir haben Giraffen beim Fressen beobachtet. Nashörner befanden sich mit ihren Jungen in unmittelbarer Nähe.
Das meist beeindruckende Erlebnis war die Beobachtung von zwei Löwinnen an einer Wasserstelle in ca. 50 m Entfernung. Nicht nur wir Menschen beobachteten die Löwen. In sicherer Entfernung warteten mehrere Herden Zebras und Springböcke, bis die Löwen die Wasserstelle frei gaben. Leider habe es die Löwen in der prallen Sonne länger ausgehalten als wir Menschen.
Faszinierende Menschen
In Namibia leben ca. 2,1 Mio. Menschen auf einer Fläche von 824.000 qkm. Dabei handelt es sich um 12 verschiedene Ethnien mit mindestens ebenso vielen unterschiedlichen Muttersprachen. Die Landessprache ist Englisch.
Die größte Volksgruppe sind mit 47% Bevölkerungsanteil die Ovambos. Weitere Bantuvölker sind z. B. Kavangos, Damaras, Hereros, Himbas, Namas u.v.m. Eine kleinere Gruppe bilden die San (Buschleute). Außerdem leben dort (bedingt durch die damalige Kolonialzeit) ca. 100.000 Weiße – davon ca. 20.000 deutsch stämmige Menschen. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1990 ist Namibia eine Demokratie.
Das Leben in Namibia ist oft härter als bei uns. Die Trockenheit ist ein großes Hindernis. Es gibt viele – nach unseren Maßstäben – arme Menschen. Zum Glück müssen sie aber keinen Hunger leiden.
Wir haben viele unterschiedliche Menschen getroffen sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Und wir hatten immer den Eindruck, dass wir in Namibia willkommen waren.
Ganz besonders aufgefallen sind uns die Himbas, die z. T. noch sehr traditionell leben. Ihr Erscheinungsbild ist für uns besonders fremd, weil viele der Himba-Frauen zum Teil unbekleidet sind. Auch die Herero-Frauen mit ihren farbenfrohen langen Kleidern haben einen imposanten Eindruck hinterlassen.
Besonders beeindruckend war es für uns, dass die unterschiedlichen Volksgruppen in Namibia recht friedlich miteinander leben. Das erfordert ein großes Maß an Toleranz.
Deutsche Pfadfinder in Namibia
Natürlich haben wir auch den Kontakt zu namibischen Pfadfindern gesucht – zu jungen und zu erwachsenen Pfadfindern.
Der Deutsche Pfadfinderbund Namibia - Horst Windhuk
In Windhuk waren wir zu Gast im Pfadfinderheim der deutsch sprechenden Pfadfinder des Horstes Windhuk. Das Pfadfinderheim sieht aus wie eine Burg und liegt auf einer Anhöhe am Stadtrand von Windhuk . Von seinem Turm aus hat man eine beeindruckende Sicht über Windhuk. Dort haben wir neben Klaus-Peter Jacobi und seiner Frau Renate auch eine Gruppe von Kindern getroffen. Die haben uns bereitwillig von ihren Abenteuern und Fahrten in die Natur erzählt: z.B. dass man in Namibia kein Zelt benötigt sondern unter freiem Himmel schlafen kann. Denn Regen oder Morgentau sind dort nicht so weit verbreitet. Dafür muss man sich gut mit giftigen Pflanzen und wilden Tieren auskennen.
APG Swakopmund
In Swakopmund haben wir Siegfried Wagner (Vorsitzender), Kurt Hülsmann (stv. Vorsitzender) und Heide Höpfner (Schatzmeisterin) von der dortigen Altpfadfindergilde kennen gelernt. Wir sind sehr freundlich aufgenommen worden. Kurt Hülsmann hat sich einen ganzen Tag Zeit genommen, um uns die Stadt Swakopmund und die Umgebung zu zeigen. Er hat uns viele beeindruckende Erlebnisse aus seinem Leben erzählt. Kurt Hülsmann (Jahrgang 1928) ist im Norden des Landes auf einer Farm unter sehr einfachen Bedingungen (anfänglich ohne Strom und fließendes Wasser) aufgewachsen. Später – im Laufe seines beruflichen Werdegangs bis hin zum Bankmanager – hat er 16 verschiedene Orte in Namibia kennen gelernt. So hörten wir viele spannende Geschichten aus 83 Jahren in Namibia. Für diesen wunderschönen Tag bedanken wir uns noch einmal sehr herzlich.
Die APG Swakopmund hat über 100 Mitglieder. Die meisten von ihnen sind Rentner, die sich nach Beendigung ihres Berufslebens in Swakopmund nieder- gelassen haben, um dort das angenehm kühle See-Klima zu genießen. Sie treffen sich einmal im Monat, um die deutsche Sprache und Kultur zu pflegen und einen gemeinsamen Nachmittag zu verbringen.
Der Gründer der APG Swakopmund, Hans Fritze, konnte uns aus gesundheitlichen Gründen leider nicht treffen.
Hans Fritze hat nicht nur die APG gegründet. Er hat sich zeitlebens immer für die Pfadfinder in Namibia eingesetzt. Das Pfadfinderheim in Swakopmund, das ebenfalls einer Burg nachempfunden ist und in dem sich alle Pfadfinder – Generationen treffen, ist ihm zu verdanken. So ein Pfadfinderheim ist schon toll.
Gerne richten wir Euch allen die herzlichsten Grüße der namibischen Pfadfinder aus.
Wir haben vieles gesehen und eine ganze Menge gelernt. Und wir können jetzt besser verstehen, warum B.P. Afrika so geliebt und lange Zeit seines Lebens dort verbracht hat.
Gut Pfad Angela Ströter

